Der Sehschärfetest ist eine grundlegende Untersuchungsmethode, mit der die Fähigkeit des Auges beurteilt wird, in unterschiedlichen Entfernungen klar zu sehen. Die Sehleistung des Patienten wird mithilfe von Buchstaben, Zahlen oder Symbolen gemessen. Der Test wird routinemäßig bei Vorsorgeuntersuchungen der Augen durchgeführt.
Der Test ist von entscheidender Bedeutung für die Diagnose von Refraktionsfehlern wie Myopie, Hyperopie und Astigmatismus. Bei Kindern ist eine frühzeitige Durchführung notwendig, um einer Amblyopie vorzubeugen. Regelmäßige Untersuchungen werden empfohlen.
Mithilfe einer Snellen-Sehtafel oder digitaler Bildschirme lässt sich die Sehschärfe objektiv messen. Anhand der Testergebnisse wird festgestellt, ob eine Brille oder Kontaktlinsen erforderlich sind.
Abhängig von den beim Test festgestellten Beeinträchtigungen wird ein Behandlungsplan erstellt. Falls erforderlich, werden weiterführende Untersuchungen und zusätzliche Tests durchgeführt, um die Augengesundheit umfassend zu beurteilen. Auf diese Weise kann der geeignete Behandlungsansatz entwickelt werden.
| Bezeichnung der Untersuchung | Sehschärfetest (Visusprüfung) |
|---|---|
| Anwendungsbereiche | Erkennung von Refraktionsfehlern wie Myopie, Hyperopie und Astigmatismus, Amblyopie sowie Erkrankungen der Netzhaut und des Sehnervs |
| Verwendete Hilfsmittel | Snellen-Sehtafel als häufigste Variante, E-Haken-Tafel für Kinder, logMAR-Tafel |
| Durchführung | Der Patient erkennt aus einer festgelegten Entfernung, normalerweise 6 Metern, die auf der Tafel dargestellten Buchstaben oder Symbole |
| Vorteile | Schnell, einfach, kostengünstig und wirksam für die Erstbeurteilung |
| Einschränkungen | Bewertet nur das zentrale Sehen. Peripheres Sehen, Kontrastempfindlichkeit und ähnliche Funktionen werden nicht gemessen |
| Komplikationen | Keine. Die Untersuchung ist nicht invasiv und schmerzfrei |
| Ist eine Vorbereitung erforderlich? | Nein. Werden normalerweise eine Brille oder Kontaktlinsen getragen, sollten diese während des Tests verwendet werden |
| Alternative Methoden | Kontrastempfindlichkeitstest, Farbsehtest, Gesichtsfeldtest |
Der Sehschärfetest ist eine grundlegende Augenuntersuchung, mit der beurteilt wird, wie klar eine Person Details erkennen kann. Er wird normalerweise mit einer Sehtafel durchgeführt, auf der Buchstaben oder Symbole abgebildet sind. Der Test spielt eine wichtige Rolle bei der Erkennung von Refraktionsfehlern wie Myopie, Hyperopie und Astigmatismus. Beide Augen werden einzeln getestet, um die Sehschärfe zu bestimmen, die mit der bestmöglichen Korrektur erreicht wird.
Dieser Test ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer umfassenden Augenuntersuchung. Er zeigt, wie gut wir sowohl in der Ferne als auch in der Nähe sehen. Außerdem liefert er wertvolle Informationen über den allgemeinen Zustand unserer Augengesundheit.
Aus klinischer Sicht spielt er eine Schlüsselrolle bei der Diagnose von Fehlsichtigkeiten, die eine Brille erforderlich machen, beispielsweise Myopie, Hyperopie und Astigmatismus. Darüber hinaus können Sehverschlechterungen frühzeitig erkannt werden, die ein erstes Anzeichen für schwerwiegende Augenerkrankungen wie Katarakt oder Makuladegeneration oder gelegentlich für andere Erkrankungen des Körpers sein können.
Die Sehschärfe wird nicht nur zur Diagnose gemessen, sondern auch, um zu beurteilen, ob eine Behandlung wirkt. Der Test wird beispielsweise regelmäßig durchgeführt, um zu verfolgen, wie stark sich das Sehvermögen nach Injektionen gegen Makuladegeneration oder nach einer Kataraktoperation verbessert hat.
Auch in wissenschaftlichen Studien ist eine Verbesserung der Sehschärfe ein wichtiger Indikator für den Erfolg einer Behandlung. Eine bestimmte Verbesserung, beispielsweise wenn bei speziellen Tests 10 bis 15 Buchstaben mehr gelesen werden können, zeigt, dass die Behandlung wirksam ist.
Die Sehschärfe ist nicht nur ein medizinischer Messwert. Sie ist für alltägliche Tätigkeiten wie Lesen, Autofahren, das Erkennen von Gesichtern und Arbeiten von großer Bedeutung. Wenn unsere Sehschärfe nachlässt, beginnen wir bei diesen täglichen Aufgaben Schwierigkeiten zu haben. Dies wirkt sich unmittelbar auf unsere Lebensqualität aus.
Untersuchungen zeigen, dass insbesondere eine Verminderung der Sehschärfe im besser sehenden Auge die allgemeine Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Dazu gehören das soziale Leben, die psychische Gesundheit und das Gefühl der Selbstständigkeit. Die Testergebnisse spiegeln daher nicht nur unsere Augengesundheit, sondern auch unser allgemeines Wohlbefinden wider. Bestimmte Sehschärfewerte sind außerdem eine gesetzliche Voraussetzung für den Führerschein und bestimmte Berufe.
Der Test wird normalerweise aus einer standardisierten Entfernung durchgeführt, meistens aus 6 Metern beziehungsweise 20 Fuß. Ist der Raum nicht lang genug, können Spiegel eingesetzt werden, um die erforderliche Entfernung zu erreichen. Eine angemessene Beleuchtung des Untersuchungsraums ist wichtig. Eine besondere Vorbereitung ist nicht erforderlich, und die Untersuchung ist vollkommen schmerzfrei.
Zunächst wird das Sehvermögen ohne Brille oder Kontaktlinsen gemessen. Dies wird als unkorrigierter Visus bezeichnet. Hierfür werden Sie gebeten, Ihre Brille oder Kontaktlinsen abzunehmen. Jedes Auge wird einzeln untersucht, während das andere Auge mit einer Abdeckscheibe, einem sogenannten Okkluder, oder mit der Handfläche abgedeckt wird. Um zu verhindern, dass die Buchstaben auswendig gelernt werden, kann manchmal das schlechter sehende Auge zuerst getestet werden.
In der Regel wird Ihnen eine Sehtafel mit Buchstaben gezeigt, meistens eine Snellen-Sehtafel. Beginnend mit den großen Buchstaben ganz oben oder mit einer Zeile, die Sie problemlos lesen können, werden Sie gebeten, die kleinste noch erkennbare Zeile laut vorzulesen.
Für Menschen, die nicht lesen können, und für Kinder werden statt Buchstaben besondere Sehtafeln mit Bildern, Zahlen oder einem E verwendet, dessen offene Seite in unterschiedliche Richtungen zeigt. Diese Variante wird als E-Haken oder Tumbling E bezeichnet. Auch wenn Sie sich bei einem Buchstaben nicht sicher sind, werden Sie zum Raten ermutigt.
Das Ergebnis wird entsprechend der kleinsten Zeile dokumentiert, die Sie korrekt lesen können. Selbst wenn Sie einige Buchstaben in einer Zeile nicht erkennen, wird normalerweise der Wert dieser Zeile notiert, beispielsweise 6/12. Für teilweise gelesene Zeilen können besondere Angaben verwendet werden, beispielsweise 6/12-1.
Wenn Sie selbst die großen Buchstaben ganz oben auf der Sehtafel nicht erkennen können, führt die untersuchende Person Sie näher an die Tafel heran und dokumentiert die Entfernung, aus der Sie die Buchstaben lesen können. Können Sie sie beispielsweise aus 3 Metern erkennen, wird das Ergebnis als 3/60 festgehalten.
Wenn Sie die Sehtafel aus keiner Entfernung lesen können, zeigt die untersuchende Person Finger und fragt, wie viele Sie erkennen. Dies wird als Fingerzählen, FZ, bezeichnet. Dokumentiert wird die größte Entfernung, aus der Sie die Finger zählen können. Ist auch das nicht möglich, wird geprüft, ob Sie Handbewegungen erkennen können. Dies wird als Handbewegungen, HB, dokumentiert. Können Sie auch diese nicht wahrnehmen, wird überprüft, ob Sie eine Lichtquelle erkennen. Das Ergebnis wird als vorhandene Lichtwahrnehmung oder fehlende Lichtwahrnehmung festgehalten.
Nach der Messung des unkorrigierten Sehvermögens wird der Test mit Ihrer eigenen Brille oder Ihren Kontaktlinsen wiederholt, sofern Sie diese verwenden. Dies wird als korrigierte Sehschärfe bezeichnet. Ist Ihre Sehleistung selbst mit der Brille geringer als erwartet, werden Sie gebeten, durch ein kleines Hilfsmittel mit einer winzigen Öffnung zu schauen. Dieses wird als Lochblende oder stenopäische Blende bezeichnet.
Die Lochblende blockiert gestreute Lichtstrahlen, die Unschärfe verursachen. Verbessert sich das Sehvermögen durch die Lochblende, liegt die verminderte Sehleistung höchstwahrscheinlich nur an der Brillenstärke beziehungsweise an einem Refraktionsfehler. Tritt auch mit der Lochblende keine Verbesserung ein, kann eine andere Augenerkrankung oder Pathologie vorliegen. In diesem Fall ist eine ausführlichere Untersuchung erforderlich. Auch das Nahsehvermögen wird mit einer speziellen Karte gemessen.
Der bekannteste und am häufigsten verwendete Test ist die Snellen-Sehtafel. Sie wurde in den 1860er-Jahren entwickelt und besteht aus Buchstabenzeilen, die von oben nach unten kleiner werden. Sie ist praktisch und einfach anzuwenden, weist jedoch einige technische Einschränkungen auf. Dazu gehört beispielsweise eine unterschiedliche Anzahl von Buchstaben in den einzelnen Zeilen.
Für präzisere Messungen und wissenschaftliche Studien werden bevorzugt logMAR-Sehtafeln verwendet, beispielsweise die ETDRS-Tafel. Sie ermöglichen eine stärker standardisierte Messung. Jede Zeile enthält die gleiche Anzahl von Buchstaben. Größe und Abstände der Buchstaben sind nach einer festgelegten geometrischen und logarithmischen Regel angeordnet. Dadurch können selbst kleine Veränderungen der Sehschärfe zuverlässiger gemessen werden.
Für Personen, die standardisierte Buchstaben nicht lesen können, stehen besondere Tests zur Verfügung. Bei der Tumbling-E-Tafel muss die Person angeben, in welche Richtung die offene Seite des Buchstabens E zeigt. Bei der Landolt-C-Tafel wird auf ähnliche Weise die Richtung der Öffnung in einem Ring abgefragt. Diese Tests eignen sich für Menschen, die nicht lesen können oder ein anderes Alphabet verwenden.
Für kleine Kinder werden Bild- und Symboltafeln eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise die Lea-Symbole mit Haus, Apfel, Quadrat und Kreis. Das Kind soll die erkannte Form benennen oder zuordnen. Die HOTV-Tafel enthält nur die Buchstaben H, O, T und V und ist deshalb für kleine Kinder leichter, die Buchstaben zuordnen können. Für die Messung der Nahsehschärfe werden spezielle Lesekarten wie Jaeger- oder Rosenbaum-Karten verwendet.
In letzter Zeit sind auch digitale Sehschärfetests populär geworden, die über Smartphone-Apps oder Websites durchgeführt werden können. Sie können insbesondere bei Fernkontrollen oder in der Telemedizin Erleichterungen bieten.
Einige Studien zeigen, dass diese digitalen Tests Ergebnisse liefern können, die mit Standardtests vergleichbar sind. Ihre Genauigkeit muss jedoch noch weiter untersucht werden. Besonders bei Menschen mit sehr geringer Sehleistung oder eingeschränktem Zugang zu technischen Geräten können die Ergebnisse irreführend sein. Auch Faktoren wie Größe und Auflösung des verwendeten Bildschirms können das Ergebnis beeinflussen. Deshalb ersetzen digitale Tests derzeit die standardisierten Untersuchungen noch nicht vollständig.
Die Ergebnisse können auf unterschiedliche Weise angegeben werden. Am häufigsten wird der Snellen-Bruch verwendet, beispielsweise 6/12. Die obere Zahl, 6, bezeichnet die Testentfernung in Metern. Die untere Zahl, 12, zeigt, aus welcher Entfernung eine Person mit normalem Sehvermögen diese Zeile lesen kann. 6/12 bedeutet also, dass Sie aus 6 Metern erkennen, was ein normal sehendes Auge bereits aus 12 Metern erkennen kann. Je größer der Nenner ist, desto schlechter ist das Sehvermögen. 6/6 gilt als normal. Ergebnisse wie 6/4,5 zeigen ein überdurchschnittliches Sehvermögen.
Auch die Dezimalschreibweise wird verwendet, beispielsweise 6/12 = 0,5 und 6/6 = 1,0. Je höher der Wert ist, desto besser ist das Sehvermögen. Der MAR-Wert, der Minimum Angle of Resolution, bezeichnet den Winkel des kleinsten noch auflösbaren Details. Je niedriger dieser Wert ist, desto besser ist das Sehvermögen.
Die logMAR-Notation wird insbesondere in wissenschaftlichen Studien und zur präzisen Verlaufskontrolle von Veränderungen des Sehvermögens eingesetzt. Sie verwendet den Logarithmus des MAR-Werts und überträgt die Sehleistung auf eine lineare Skala.
Ein logMAR-Wert von 0,0 entspricht einer als normal geltenden Sehschärfe von 6/6. Positive Werte, beispielsweise 0,3 ≈ 6/12, zeigen ein unterdurchschnittliches Sehvermögen. Negative Werte, beispielsweise -0,3 ≈ 6/3, stehen für ein überdurchschnittliches Sehvermögen. Je höher der logMAR-Wert ist, desto größer ist der Sehverlust. Jeder Buchstabe wird normalerweise mit 0,02 Einheiten und jede Zeile mit 0,1 Einheiten bewertet. Dadurch lassen sich selbst kleine Veränderungen messen.
Messungen der Sehschärfe werden auch für gesetzliche Definitionen und Klassifizierungen verwendet. Die Weltgesundheitsorganisation, WHO, und nationale Rechtsvorschriften, beispielsweise die Definition der gesetzlichen Blindheit in den USA, orientieren sich an bestimmten Sehschärfegrenzwerten.
In der Regel wird die bestkorrigierte Sehschärfe des besser sehenden Auges zugrunde gelegt. Nach der WHO fällt beispielsweise ein Sehvermögen von weniger als 6/18 in die Kategorie der Sehbeeinträchtigung, während ein Sehvermögen von weniger als 6/120 als Blindheit eingestuft wird. Dies entspricht logMAR-Werten von >0,5 beziehungsweise >1,3. Diese Definitionen sind für soziale Ansprüche und die Planung von Gesundheitsleistungen wichtig. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass auch Menschen oberhalb dieser Grenzwerte funktionelle Schwierigkeiten haben können.
Die Messung der Sehschärfe bei Säuglingen und sehr kleinen Kindern ist schwierig. Da in dieser Altersgruppe keine Buchstaben vorgelesen werden können, kommen indirekte Methoden zum Einsatz. Es wird beobachtet, ob der Säugling einem Licht oder Spielzeug mit den Augen folgt und ob er reagiert, wenn ein Auge abgedeckt wird.
Zu den objektiveren Verfahren gehören Preferential-Looking-Tests, kurz PL-Tests. Sie beruhen auf der Tendenz von Säuglingen, eine gemusterte Fläche, beispielsweise eine gestreifte Karte, länger anzusehen als eine leere Fläche. Die untersuchende Person beobachtet, auf welche Karte der Säugling blickt, und schätzt dadurch ein, wie feine Muster er erkennen kann. Teller- oder Cardiff-Karten verwenden dieses Verfahren.
Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren können normalerweise an Formenerkennungstests teilnehmen. Lea-Symbole mit Haus, Apfel, Quadrat und Kreis sowie der HOTV-Test mit ausschließlich den Buchstaben H, O, T und V sind für diese Altersgruppe besonders geeignet. Das Kind wird gebeten, die erkannte Form zu benennen oder auf einer Zuordnungskarte zu zeigen.
Bei diesen Tests ist der sogenannte Crowding-Effekt wichtig. Werden Buchstaben oder Formen nicht einzeln, sondern nebeneinander gezeigt, kann eine Amblyopie leichter erkannt werden. Ein amblyopes Auge hat nämlich größere Schwierigkeiten, wenn die Buchstaben eng beieinanderstehen. Die Testentfernung ist gewöhnlich kürzer als bei Erwachsenen, beispielsweise 3 Meter.
Eine frühzeitige Beurteilung der Sehschärfe bei Kindern ist für die Erkennung einer Amblyopie und ihrer Ursachen wie Strabismus oder hoher Fehlsichtigkeit von entscheidender Bedeutung. Wird eine Amblyopie frühzeitig, normalerweise vor dem Alter von 7 oder 8 Jahren, erkannt und mit Maßnahmen wie Okklusion oder einer Brille behandelt, kann das Sehvermögen erheblich verbessert werden.
Unbehandelte Sehprobleme können die schulischen Leistungen, die soziale Entwicklung und die allgemeine Lebensqualität des Kindes beeinträchtigen. Regelmäßige Sehtests und Vorsorgeuntersuchungen mit altersgerechten Methoden sind deshalb sehr wichtig.
Ja, Refraktionsfehler beeinflussen das Ergebnis eindeutig. Nicht korrigierte Refraktionsfehler wie Myopie, Hyperopie oder Astigmatismus, also die Notwendigkeit einer Brille oder von Kontaktlinsen, sind die häufigste Ursache einer verminderten Sehschärfe. Diese Fehler verhindern, dass das Licht an der richtigen Stelle im Augenhintergrund gebündelt wird, und verursachen verschwommenes Sehen.
Deshalb wird der Test sowohl ohne Brille als unkorrigierte Sehschärfe als auch mit der eigenen Brille als korrigierte Sehschärfe durchgeführt, sofern eine vorhanden ist. Ist das Sehvermögen selbst mit der Brille vermindert, verbessert sich jedoch mit der Lochblende, liegt das Problem wahrscheinlich nur an einer falschen oder unzureichenden Brillenstärke.
Neben Refraktionsfehlern können auch zahlreiche Augenerkrankungen die Sehschärfe vermindern. Dazu gehören:
- Medientrübungen: Erkrankungen, die verhindern, dass Licht die Netzhaut erreicht, beispielsweise ein Katarakt mit Verlust der Transparenz der natürlichen Augenlinse, Hornhauttrübungen oder Hornhautnarben sowie Blutungen im Augeninneren.
- Netzhauterkrankungen: Erkrankungen der Netzhaut wie altersbedingte Makuladegeneration, diabetische Retinopathie und Retinitis pigmentosa.
- Erkrankungen des Sehnervs: Erkrankungen des Sehnervs wie Glaukom, Entzündungen oder Schädigungen des Sehnervs.
- Amblyopie: Eine in der Kindheit entstehende Sehschwäche, durch die ein Auge schlechter sieht als das andere.
Auch andere Faktoren können das Testergebnis beeinflussen. Die Beleuchtung im Untersuchungsraum ist wichtig. Sehr schwaches oder übermäßig helles Licht kann das Ergebnis verändern. Die schwarz-weißen Buchstaben standardisierter Tests weisen einen hohen Kontrast auf, bilden kontrastarme Situationen des täglichen Lebens jedoch möglicherweise nicht vollständig ab.
Das Alter des Patienten, da für Kinder und ältere Menschen unterschiedliche Normwerte gelten können, seine Aufmerksamkeit und Mitarbeit während des Tests, insbesondere bei Kindern, und sogar Müdigkeit können das Ergebnis beeinflussen. Auch die aktuelle Größe der Pupille kann die Sehschärfe etwas verändern, weil sie die optische Qualität beeinflusst.
Obwohl der Sehschärfetest sehr wertvoll ist, bildet er nicht die gesamte visuelle Funktion ab. Seine wichtigste Einschränkung besteht darin, dass mit kontrastreichen, schwarz-weißen Sehzeichen getestet wird. Im täglichen Leben begegnen uns dagegen kontrastarme Bedingungen wie Nebel, schwaches Licht und blasse Farben. Das Testergebnis kann die tatsächliche Sehleistung im Alltag daher möglicherweise nicht vollständig widerspiegeln.
In den frühen Stadien bestimmter Erkrankungen wie Glaukom oder diabetischer Retinopathie kann die Sehschärfe normal bleiben, obwohl bereits Ausfälle im Gesichtsfeld oder bei der Kontrastempfindlichkeit begonnen haben. Eine Sehschärfe von 6/6 bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass das Auge vollständig gesund ist.
Während die Sehschärfe misst, wie kleine Details wir bei hohem Kontrast erkennen können, misst die Kontrastempfindlichkeit, wie blass ein Objekt sein darf, damit wir es noch wahrnehmen. Geprüft wird also, wie gering der Farb- oder Helligkeitsunterschied zwischen einem Gegenstand und seinem Hintergrund sein kann.
Diese beiden Funktionen unterscheiden sich voneinander. Eine Person kann eine normale Sehschärfe, aber eine verminderte Kontrastempfindlichkeit haben. Dies kann insbesondere beim Autofahren in der Nacht, bei Nebel oder beim Erkennen von Gesichtern zu Schwierigkeiten führen. Die Kontrastempfindlichkeit kann das funktionelle Sehen, also die Sehleistung im Alltag, besser abbilden als die Sehschärfe.
Der Grund dafür ist, dass die Kontrastempfindlichkeit bei bestimmten Augenerkrankungen wie Katarakt, Glaukom und Makuladegeneration früher beeinträchtigt sein kann als die Sehschärfe. Beschwerden wie „Ich kann sehen, aber nicht klar" oder „Die Lichter streuen" lassen sich dadurch besser erklären.
Bei Patienten, die trotz guter Sehschärfe im Alltag Schwierigkeiten haben, oder bei der Verlaufskontrolle bestimmter Erkrankungen liefert ein Kontrastempfindlichkeitstest umfassendere Informationen über die Sehfunktion. Dies kann dabei helfen, Behandlungsentscheidungen, beispielsweise den Zeitpunkt einer Kataraktoperation, genauer zu treffen. Eine ideale Augenuntersuchung sollte beide Messungen umfassen.
Das Hauptziel einer Sehvorsorge besteht darin, Augenprobleme frühzeitig zu erkennen, die ohne Symptome fortschreiten können. Bei Kindern sollen insbesondere Amblyopie und ihre Ursachen wie Strabismus oder eine erforderliche Brillenkorrektur in einem frühen Alter festgestellt werden, in dem gute Behandlungschancen bestehen. Eine frühe Diagnose und Behandlung kann einen dauerhaften Sehverlust verhindern.
Bei Erwachsenen ermöglicht die Vorsorge die frühzeitige Diagnose altersbedingter oder mit systemischen Erkrankungen verbundener Probleme wie Glaukom, Makuladegeneration und diabetischer Retinopathie. Der Sehschärfetest ist ein wichtiger Bestandteil dieser Vorsorgeuntersuchungen. Eine Vorsorgeuntersuchung ersetzt jedoch keine vollständige Augenuntersuchung. Sie dient lediglich dazu, gefährdete Personen zu erkennen und an einen Spezialisten zu überweisen.
Nach internationalen Empfehlungen sieht der Zeitplan für Sehvorsorgeuntersuchungen bei Kindern im Allgemeinen wie folgt aus:
- Neugeborene: Rotreflextest bei der Geburt.
- 6 Monate bis 1 Jahr: Kontrolle von Fixation, Blickfolge und Rotreflex im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung. Wenn möglich, kann auch ein gerätegestütztes Screening erfolgen.
- 3 bis 5 Jahre: Mindestens einmal ein Screening mit altersgerechten Sehzeichen wie Lea-Symbolen oder HOTV beziehungsweise mit einem entsprechenden Gerät. Auch ein Strabismus wird überprüft.
- Ab 5 Jahren, Schulalter: Einmal jährlich oder alle zwei Jahre, normalerweise mit Buchstabentafeln.
Kinder, die das Screening in diesem Alter nicht bestehen oder bei denen der Test nicht durchgeführt werden kann, müssen an einen Augenarzt überwiesen werden.
Für Erwachsene ohne bekannte Augenerkrankung oder Risikofaktoren, die als Personen mit niedrigem Risiko gelten, lauten die allgemeinen Empfehlungen wie folgt:
- Mit 40 Jahren: Eine umfassende Basisuntersuchung wird empfohlen, da in diesem Alter altersbedingte Veränderungen beginnen können.
- 40 bis 54 Jahre: Alle 2 bis 4 Jahre.
- 55 bis 64 Jahre: Alle 1 bis 3 Jahre.
- Ab 65 Jahren: Alle 1 bis 2 Jahre.
Diese Zeitabstände sind allgemeine Empfehlungen. Menschen mit Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck, Personen mit Augenerkrankungen in der Familie und Menschen mit Sehbeschwerden sollten häufiger untersucht werden.
In bestimmten Fällen sollte auf ein Screening verzichtet und direkt eine umfassende Augenuntersuchung durchgeführt werden. Dazu gehören:
- Personen mit Sehbeschwerden wie verschwommenem Sehen, Doppelbildern oder Schmerzen.
- Personen mit systemischen Erkrankungen, die die Augen beeinträchtigen können, beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck.
- Personen mit erblichen Augenerkrankungen wie Glaukom oder Makuladegeneration in der Familie.
- Frühgeborene Säuglinge und Kinder.
- Personen mit bestimmten genetischen oder systemischen Erkrankungen wie dem Down-Syndrom.
- Personen, die bereits aufgrund einer bekannten Augenerkrankung kontrolliert werden.
- Da diese Personen zu einer Risikogruppe gehören, sollten sie anstelle eines Screenings in regelmäßigen Abständen ausführlich augenärztlich untersucht werden.












































