Erkrankungen der Tränendrüse können sich durch eine unzureichende Tränenproduktion oder übermäßige Sekretion bemerkbar machen. Diese Beschwerden können in Form eines trockenen Auges, einer Infektion oder einer entzündlichen Erkrankung der Drüse auftreten. Eine frühzeitige Diagnose ist für den Schutz der Augenoberfläche von entscheidender Bedeutung.
Entzündungen der Tränendrüse sind akute Krankheitsbilder, die mit Schmerzen, Schwellung und Rötung einhergehen. Eine geeignete Antibiotikatherapie und lokale Behandlung können zu einer schnellen Besserung führen. Unbehandelte Fälle können chronisch werden und schwerwiegendere Komplikationen verursachen.
Tumoren der Tränendrüse sind selten, können jedoch Schwellungen und Sehstörungen verursachen. In solchen Fällen können eine Biopsie und weiterführende Untersuchungen erforderlich sein. Eine frühzeitige Behandlung ist für den Erhalt der Augengesundheit von großer Bedeutung.
Das trockene Auge ist die häufigste Folge einer Funktionsstörung der Tränendrüse. Das Problem kann mit künstlichen Tränen, Medikamenten und Änderungen der Lebensgewohnheiten kontrolliert werden. Regelmäßige Augenuntersuchungen sind entscheidend, um fortschreitende Schäden zu verhindern.
Erkrankungen der Tränendrüse werden nach ihrem Ursprung und ihrer Struktur grundsätzlich in zwei Hauptgruppen eingeteilt. Diese Klassifizierung ist der erste Schritt für die richtige Diagnose und Behandlungsplanung. Etwa 10 % der in der Augenhöhle festgestellten Raumforderungen gehen von der Tränendrüse aus.
Zu den Hauptkategorien dieser Erkrankungen gehören:
- Nicht-epitheliale Läsionen: Diese Gruppe macht mit etwa 70 % bis 80 % den größten Teil der Raumforderungen der Tränendrüse aus. Sie entsteht eher aus Stützgewebe oder Entzündungszellen als aus dem eigentlichen Drüsengewebe. Die häufigste Ursache in dieser Kategorie ist eine als Dakryoadenitis bezeichnete Entzündung der Drüse. Auch lymphoproliferative Erkrankungen wie Lymphome gehören zu dieser Gruppe.
- Epitheliale Tumoren: Diese Tumoren entstehen aus Epithelzellen, welche die Oberfläche der Drüse auskleiden oder ihre Ausführungsgänge bilden. Sie lassen sich ungefähr zu gleichen Teilen in gutartige und bösartige Tumoren unterteilen.
Neben dieser grundlegenden Unterscheidung können auch Autoimmunerkrankungen oder die Ausbreitung einer Krebserkrankung aus einem anderen Körperbereich zum Auge, eine sogenannte Metastasierung, Probleme an der Tränendrüse verursachen. Es sollte berücksichtigt werden, dass nicht jede Schwellung ein Tumor ist. Dennoch muss jede Schwellung sorgfältig durch einen Spezialisten untersucht werden.
Eine Dakryoadenitis ist eine Entzündung der Tränendrüse und die häufigste Ursache einer Drüsenvergrößerung. Sie kann plötzlich beginnen und akut verlaufen oder über längere Zeit bestehen und chronisch werden. Eine akute Dakryoadenitis wird in der Regel durch eine Infektion verursacht. Virale Erreger, insbesondere Mumps oder das Epstein-Barr-Virus, treten häufiger bei jungen Menschen auf. Auch bakterielle Infektionen können diesen Zustand verursachen.
Eine chronische Dakryoadenitis ist meist ein Anzeichen für eine zugrunde liegende systemische Erkrankung. Erkrankungen wie Sarkoidose, Schilddrüsen-Augenerkrankung, oder Graves-Orbitopathie, und das Sjögren-Syndrom können eine chronische Entzündung der Tränendrüse verursachen.
Zu den häufigsten Symptomen einer Dakryoadenitis gehören:
- Schwellung im äußeren Bereich des Oberlids
- Rötung und Druckempfindlichkeit im Bereich der Schwellung
- Schmerzen im Auge und in der Augenumgebung
- Übermäßiger Tränenfluss oder Ausfluss aus dem Auge
- Ausbildung einer charakteristischen „S-förmigen" Kontur des Augenlids
- Schwellung der Lymphknoten vor dem Ohr
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Entzündung. Virale Infektionen heilen in der Regel von selbst ab, während bakterielle Infektionen Antibiotika erfordern. Bei chronischen Fällen aufgrund einer systemischen Erkrankung werden die Grunderkrankung behandelt und entzündungshemmende Medikamente wie Kortikosteroide eingesetzt.
Gutartige Tumoren sind keine Krebserkrankungen. Sie können jedoch an ihrem Entstehungsort wachsen, Druck auf das umliegende Gewebe ausüben und erhebliche Probleme verursachen. Die beiden häufigsten Formen sind das pleomorphe Adenom und die Dakryops.
- Pleomorphes Adenom, oder gutartiger Mischtumor: Dies ist der häufigste gutartige Tumor der Tränendrüse. Er tritt meist im Alter zwischen 30 und 50 Jahren auf. Sein wichtigstes Merkmal ist das sehr langsame Wachstum. Er fällt als schmerzlose, feste Raumforderung auf, die über Monate oder sogar Jahre langsam wächst. Mit zunehmender Größe verdrängt er den Augapfel nach unten und innen. Der Tumor besitzt eine eigene Kapsel. Die Behandlung besteht darin, ihn vollständig und ohne Verletzung dieser Kapsel operativ zu entfernen. Eine Verletzung der Kapsel oder unvollständige Entfernung des Tumors birgt das Risiko eines erneuten Auftretens und einer späteren Umwandlung in einen bösartigen Tumor. Bei Verdacht auf diesen Tumor wird deshalb die direkte Entfernung einer diagnostischen Biopsie vorgezogen.
- Dakryops, oder Tränendrüsenzyste: Dabei handelt es sich um ein flüssigkeitsgefülltes Bläschen, das durch die Blockierung eines Tränenkanals entsteht. Es zeigt sich meist als schmerzlose, bewegliche, bläuliche und durchscheinende Schwellung im äußeren Bereich des Oberlids. Verursacht die Zyste ein Fremdkörpergefühl, Sehstörungen oder kosmetische Beschwerden, wird sie operativ entfernt.
Auch bösartige Tumoren, also Krebserkrankungen, können in der Tränendrüse auftreten. Diese Tumoren können schnell wachsen und sich auf umliegendes Gewebe, Nerven, Knochen und sogar entfernte Organe wie Lunge und Gehirn ausbreiten. Dieser Vorgang wird als Metastasierung bezeichnet.
Zu den häufigsten bösartigen Tumoren der Tränendrüse gehören:
- Adenoid-zystisches Karzinom (ACC): Dies ist die häufigste bösartige Form. Der Tumor wächst meist schnell innerhalb weniger Monate. Sein auffälligstes Merkmal sind starke und anhaltende Schmerzen, die durch seine Neigung zur Ausbreitung entlang des Nervengewebes verursacht werden. Es handelt sich um einen aggressiven Tumor, dessen Behandlung meist ein umfassendes Vorgehen mit Operation, Strahlentherapie und gelegentlich Chemotherapie erfordert.
- Lymphom der Tränendrüse: Hierbei handelt es sich um eine langsamer verlaufende Krebserkrankung, die gewöhnlich bei Menschen über 60 Jahren auftritt. Sie verursacht meist eine schmerzlose Schwellung. Gelegentlich kann sich am weißen Teil des Auges, der Bindehaut, ein typisches Erscheinungsbild zeigen, das als „lachsfarbener Fleck" bezeichnet wird. Die Behandlung erfolgt gewöhnlich nicht operativ. Stattdessen werden Verfahren wie Strahlentherapie oder Chemotherapie eingesetzt. Die Prognose ist im Allgemeinen besser als beim ACC.
Schmerzen und schnelles Wachstum sind wichtige Warnzeichen für einen bösartigen Tumor. Jede Raumforderung im Bereich der Tränendrüse sollte deshalb ernst genommen werden.
Bei einem Tränendrüsenprolaps handelt es sich um eine Verlagerung der Drüse nach unten. Ursache ist meist eine altersbedingte Lockerung der Bänder, welche die Drüse an ihrer Position halten, und nicht eine Vergrößerung oder Erkrankung der Drüse selbst. Dieser Zustand ist kein Tumor, sondern eine strukturelle Positionsveränderung.
Ein Tränendrüsenprolaps verursacht meist keine Beschwerden. Bei manchen Menschen macht er sich jedoch als Fülle oder Vorwölbung im äußeren Bereich des Oberlids bemerkbar. Dieser Zustand kann mit einem Tumor verwechselt werden, zwischen beiden bestehen jedoch wichtige Unterschiede. Bei einem Tumor wächst neues Gewebe, während bei einem Prolaps vorhandenes Gewebe seine Position verändert. Bei der Untersuchung ist die abgesunkene Drüse gewöhnlich weich und kann vorsichtig zurückgeschoben werden.
Eine Behandlung ist nur erforderlich, wenn der Prolaps kosmetisch störend ist oder das Gesichtsfeld beeinträchtigt. In diesem Fall wird die Drüse während einer ästhetischen Augenlidoperation, oder Blepharoplastik, mit Nähten wieder an ihrer ursprünglichen Position befestigt. Eine Entfernung der Drüse wird nicht bevorzugt, da sie ein trockenes Auge verursachen kann.
Manchmal kann ein Problem der Tränendrüse ein Anzeichen für eine umfassendere Erkrankung sein, die den gesamten Körper betrifft. Autoimmune oder entzündliche Erkrankungen, bei denen das Immunsystem das körpereigene Gewebe angreift, können sich gegen die Tränendrüse richten.
Zu den wichtigsten systemischen Erkrankungen, die Störungen der Tränendrüse verursachen können, gehören:
- Sjögren-Syndrom
- Sarkoidose
- IgG4-assoziierte Erkrankung
- Schilddrüsen-Augenerkrankung, oder Graves-Orbitopathie
- Granulomatose mit Polyangiitis (GPA)
Bei diesen Erkrankungen treten häufig eine beidseitige Vergrößerung und Entzündung der Tränendrüsen sowie eine damit verbundene ausgeprägte Augentrockenheit auf. Aufgrund dieser Befunde kann ein Augenarzt eine zugrunde liegende systemische Erkrankung vermuten und den Patienten an die entsprechende Fachrichtung, beispielsweise die Rheumatologie, überweisen.
Erkrankungen der Tränendrüse können abhängig von der zugrunde liegenden Ursache unterschiedliche Symptome verursachen. Wenn eines oder mehrere dieser Symptome gemeinsam auftreten, sollte ein Spezialist aufgesucht werden.
Zu den häufigsten allgemeinen Symptomen gehören:
- Schwellung oder Fülle im äußeren Bereich des Oberlids
- Hervortreten des Auges, oder Proptosis
- Verlagerung des Augapfels nach unten und innen
- Herabhängen des Augenlids, oder Ptosis
- Anhaltende oder starke Augenschmerzen
- Doppelbilder, oder Diplopie
- Veränderung der Tränenmenge, beispielsweise übermäßiger Tränenfluss oder Trockenheit
- Verschwommenes Sehen oder Gesichtsfeldausfall
- Gesichtsasymmetrie
Eine korrekte Diagnose bildet die Grundlage einer geeigneten Behandlung. Erkrankungen der Tränendrüse werden durch einen systematischen Prozess diagnostiziert, der aus mehreren Schritten besteht. Dieser Prozess beginnt mit der Erhebung der Krankengeschichte. Einzelheiten dazu, wie lange die Beschwerden bestehen, wie sie sich entwickelt haben und ob Schmerzen vorhanden sind, sind dabei wichtig.
Nach einer ausführlichen Krankengeschichte und klinischen Untersuchung werden in der Regel folgende diagnostische Verfahren eingesetzt:
- Computertomografie (CT)
- Magnetresonanztomografie (MRT)
- Ultraschall
- Biopsie und histopathologische Untersuchung
- Blutuntersuchungen bei Verdacht auf eine systemische Erkrankung
Insbesondere bei Verdacht auf einen Tumor spielen bildgebende Verfahren wie CT und MRT eine entscheidende Rolle, um die Struktur und Grenzen der Veränderung sowie ihre Beziehung zum umliegenden Gewebe zu beurteilen. Die endgültige Diagnose wird jedoch häufig durch die Entnahme einer kleinen Probe aus dem verdächtigen Gewebe, eine sogenannte Biopsie, und deren Untersuchung in einem pathologischen Labor gestellt. Diese Untersuchung zeigt eindeutig, ob die Veränderung gutartig, bösartig oder entzündlich ist.
Für Erkrankungen der Tränendrüse gibt es keine „einheitliche Behandlung für alle". Der Behandlungsplan wird vollständig individuell entsprechend der Diagnose erstellt.
Die Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden sich je nach Ursache des Problems erheblich:
- Medikamentöse Behandlungen, einschließlich Antibiotika, Steroide und Immunsuppressiva
- Operative Exzision, oder Entfernung des Tumors oder der Zyste
- Tränendrüsenpexie, oder Fixierung der Drüse bei einem Prolaps
- Strahlentherapie
- Chemotherapie
- Zielgerichtete biologische Wirkstoffe
Eine bakterielle Entzündung wird beispielsweise mit Antibiotika behandelt, während ein gutartiger Tumor wie das pleomorphe Adenom vollständig operativ entfernt werden muss. Krebserkrankungen wie Lymphome sprechen im Allgemeinen gut auf Strahlentherapie und Chemotherapie an. Aggressivere Krebsarten wie das adenoid-zystische Karzinom erfordern dagegen meist eine wesentlich umfassendere Behandlung, bei der Operation und Strahlentherapie kombiniert werden.
Wenn ein bösartiger Tumor diagnostiziert wird, beeinflussen zahlreiche Faktoren den Krankheitsverlauf und die Prognose. Diese Faktoren bestimmen den Behandlungsplan und die zu erwartenden Ergebnisse.
Zu den wichtigsten prognostischen Faktoren gehören:
- Histologischer Typ und Grad des Tumors, also seine Aggressivität
- Größe des Tumors
- Stadium zum Zeitpunkt der Diagnose, also das Ausmaß der Ausbreitung
- Vorliegen einer Ausbreitung in Nerven- oder Knochengewebe
- Zustand der Operationsränder, also ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte
Ein kleiner Tumor, der in einem frühen Stadium erkannt wurde und sich nicht auf das umliegende Gewebe ausgebreitet hat, besitzt beispielsweise eine wesentlich bessere Prognose als ein Tumor im fortgeschrittenen Stadium. Eine frühzeitige Diagnose ist deshalb von entscheidender Bedeutung.
Wenn Sie eines der folgenden Symptome an Ihren Augen bemerken, sollten Sie es nicht ignorieren und einen Augenarzt aufsuchen.
Zu den Situationen, die eine dringende ärztliche Untersuchung erfordern, gehören:
- Eine neu bemerkte oder zunehmende Schwellung am Oberlid
- Eine Veränderung der Augenposition, beispielsweise Hervortreten oder Abweichen
- Anhaltende oder zunehmend stärkere Augenschmerzen
- Plötzlich einsetzende oder anhaltende Doppelbilder
- Herabhängen des Augenlids
- Vermindertes oder verschwommenes Sehen
Auch wenn diese Symptome nicht immer auf ein ernstes Problem hinweisen, ist die Beurteilung der zugrunde liegenden Ursache durch einen Spezialisten der sicherste Weg, mögliche schwerwiegende Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.












































